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Die Frage nach dem Warum spielt kaum eine Rolle

Jugend

Der Amoklauf von Winnenden beweist abermals, dass einer solch schrecklichen Tat eigentlich nur Hilflosigkeit entgegenstehen kann.
Freilich sind die Ansätze zur Prävention breit gefächert und reichen von Verschärfungen von Gesetzen bis hin zum Einsatz von mehr Schulpsychologen und Sozialarbeitern. Fraglich ist jedoch, ob man damit den Ursachen, die zu solch einer Schreckenstat führen, überhaupt gerecht werden kann.

Die Frage nach dem Warum schien und scheint kaum eine Rolle zu spielen oder sich allenfalls mit dem Offensichtlichen als Antwort zu begnügen: Der Täter spielte wohl Killerspiele, war wohl in psychologischer Behandlung und lebte in einem Elternhaus, in dem es viele Waffen gab.

Dass jeder der Hinweise für sich allein genommen nicht zu einem Amoklauf führt, wird inzwischen kaum mehr bestritten. Die Ursachen reichen auch hier sicherlich sehr viel tiefer.
Es wäre fahrlässig, sich allein auf Gesetze und Schritte, die allenfalls noch korrigierend wirken können, als Lösung dieses Problems zu verlassen. In der Verantwortung stehen auch keineswegs nur der Gesetzgeber, die Politik.
Die Verantwortung reicht weiter: Familien müssen wieder mehr werden als lediglich ein Ort des Zusammenlebens, die Gemeinschaften in den Kindergärten, in den Schulen und darüber hinaus müssen in ihrem Selbstverständnis mehr sein als Zwangsgemeinschaften auf Zeit.

Wo es nur ein Zusammen statt eines Miteinander gibt, bleiben Menschen zwangsläufig auf der Strecke.
Für diejenigen, die dem damit einhergegenden Druck nicht gewachsen sind, beginnt eine Spirale mit meist düsterem Ausgang. Gott sei Dank sind es darunter nur die Allerwenigsten, doch im schlimmsten Fall, wenn für einen solchen Menschen seine Mitmenschen plötzlich nichts mehr wert sind, kann dies sogar Leben kosten.

Solange es einem guten Gewissens recht gleichgültig ist, was aus dem Klassenkameraden / dem Arbeitskollegen wird, wird sich nichts ändern. Gesetze werden niemals in der Lage sein, zu korrigieren, was an Menschlichkeit fehlt.

André Radszun
Vorsitzender der Jusos im Landkreis Neumarkt